Rekorde und Wetterkapriolen prägten das Wochenende der Forchheimer Leichtathleten

 

Regensburg – Bamberg   Des einen Freud, des anderen Leid. So könnte man das Wettkampf Wochenende der LG Forchheim umschreiben. Denn das kapriziöse Wetter in diesen Wochen macht es allen Athleten schwer, sich für Landes- und Deutsche Meisterschaften zu qualifizieren. Platzregen, Gewitter und vor allem Wind lassen die Leichtathleten dieser Tage verzweifeln. So gehört eine große Portion Glück dazu, ob man’s schaffte, oder nicht.

REBENSBURG

Zu den Glücklicheren zählte am Wochenende Jan Schindzielorz, der am Samstag auf den Bayerischen Seniorenmeisterschaften für Furore sorgte. Mit 14.37s betonierte er nicht nur einen neuen Bayerischen Rekord über die 110m Hürden (0,991m) der Senioren M35 und verbesserte damit die alte Marke um mehr als sieben Zehntel, sondern wurde damit auch Landesmeister seiner Klasse. Diesmal hatte er jedoch mit 1,3m Rückenwind zu kämpfen, den die Hürdenläufer gar nicht mögen, aber wenigstens war es in Regensburg zu diesem Zeitpunkt trocken und warm. Tags drauf sollte sich das aber ändern. Bei Schauerwetter griff Schindzielorz auch über die 200m an und beeindruckte mit 23,15sec. und ließ sich den ungefährdeten Sieg nicht nehmen. Damit schaffte er mühelos beide Qualifikationen zur Deutschen Seniorenmeisterschaft. Auch Christine Prieglmeier (W35) musste am frühen Morgen schon um 9.30Uhr in die Blöcke. Mit der der Zeit von 13,50sec haderte sie zwar kurz, war aber als Bayerische Meisterin über die 100m Strecke dann versöhnt. Ihr 200m Start am Sonntagnachmittag wurde von 1,4m Gegenwind verblasen, trotzdem blieb sie mit 26,99sec nur eine Hundertstel über ihrer Saisonbestleistung und hatte damit den zweiten Bayerischen Meistertitel und auch die Quali für die Deutschen in der Hand. Bernd Kolb, der in der Altersklasse M65 in seinen Paradestrecken angetreten war hatte es mit dem Wetter besonders hart getroffen. Sowohl über die 100m (14,10sec) als auch über die 200m (29,31sec) ergoss sich ein heftiger Platzregen auf das Stadion an der Donau und so kämpfte er mehr mit dem Wasser als mit den Gegnern. Im gut besetzten Rennen kam er auf den jeweils zweiten Platz und musste lediglich den amtierenden Deutschen Meister Dorschner aus Coburg ziehen lassen und die gute Nachricht zum Schluss: Auch er schaffte damit knapp, aber dennoch die Qualifikation zur Deutschen.

 

BAMBERG

Mit einem Parforceritt konnte auch Moritz Hecht am Sonntag in Bamberg bei der Oberfränkischen Meisterschaft, während eines kurzen Regenlochs bei Sonnenschein seine Qualifikation zur Deutschen Jugendmeisterschaft U20 absichern. Mit 11,19s schaffte es der noch 18jährige endlich, bei fast idealen Bedingungen diese langersehnte Marke (11.20sec) zu knacken. Damit wurde er auch fast nebenbei überragender Oberfränkischer Meister der Männer. Auch über die 400m hatte er das Wetterglückslos gezogen, denn der Himmel über Bamberg sah zu diesem Zeitpunkt sehr bedrohlich aus und die Ausrichter der LG Bamberg baten vorsichtshalber alle Akteure im Anschluss, aus Sicherheitsgründen, sich unter die Tribüne zu begeben. Doch Hecht konnte seinen Lauf noch mit den restlichen Sonnenstrahlen antreten. Mit dem anziehenden Gewitter im Nacken enteilte er mit 50,85 sec der Konkurrenz und wurde zum zweiten Mal Meister.

Für eine dicke Überraschung aber sorgte schon zuvor Dominik Eckner, der im Weitsprung mit einer neuen Bestmarke von 6,72m überzeugte und damit nicht nur Oberfränkischer Meister wurde, sondern auch die Fahrkarte für die Bayerischen löste und sich auf den sechsten Platz der bayerischen Bestenliste katapultierte.  Kurios: Trainer Andy Fenn (M50) griff ebenfalls an diesem Tag nach 20 Jahren Sprungpause in den Wettkampf ein und wurde mit 5,65m tatsächlich Dritter und stand mit seinem Schützling erstmals auf dem Podest. Zudem konnte Dominik sich noch die Doppelmeisterschaft sichern, in dem er im Speerwurf mit 47,10m den Sieg nach Forchheim holte. Mario Gösswein überzeugte in der U18 mit zwei neuen Bestmarken im 100m und 200m Sprint. Mit 12.06sec über 100m und 25.41sec über die 200m Distanz konnte er jeweils Bronze gewinnen.

Gleich drei 4x100m Staffeln der LG Forchheim traten auch in Bamberg. Allen voran die 4x100m Staffel der Männer, die komplett mit Jugendlichen an den Start ging, sorgte für Überraschung. Denn diese verpasste mit Bestzeit von 44.38sec nur hauchdünn die Qualifikation zur Deutschen. In der Besetzung Moritz Hecht, Dominik Eckner, Jano Schubert und Mario Gößwein lieferten sie sich ein heißes Rennen und mussten sich erst auf der Ziellinie den Bambergern geschlagen geben.

Ähnlich erging es dem U16 Jungenquartett. Mit Jonas Saffer, Richard Kariun, Paul Nöhring und Luis Lippert liefen die Jungs eine neue Bestzeit von 49,66s und blieben erstmals unter der 50sec Grenze und wurden ebenfalls zweite hinter den Bambergern. Die Mädchenstaffel U16 (Luisa Benning, Annabelle Treuheit, Ronja Gellenthien und Alexandra Pöhlmann) konnte mit der starken Zeit von 54,54 sec überzeugen und wurden wiederum hinter einem Bamberger Quartett Zweite.

Mit viel Wetter hatten auch die Frauen im Weitsprung zu kämpfen. So sprang Lina Ende in einem wasserträchtigen Wettkampf mit 5,06m auf den vierten Platz. Veronika Prell konnte mit 4,42m zwar das Finale nicht erreichen, überraschte aber beim Dreisprung, der wegen des Wetters fast abgebrochen wurde. Mit 10,37m sprang sie auf den dritten Platz und hat damit das Ticket für die Bayerischen in der Hand.

In den Sprintdisziplinen änderte sich das Wetter im Minuten Takt. Die Mädchen der U16 mussten sich durch die Wassermassen, die sich vom Himmel stürzten, kämpfen. Ronja Gellenthien und Alexandra Pöhlmann erkämpften sich hier die Endlaufteilnahme. Ronja konnte mit Bestleistung von 14,12sec im Vorlauf im Finale den tollen vierten Platz mit 14.29sec ersprinten. Alexandra wurde hier mit 14,34s sechste. Bei den Damen der U18 überzeugte einmal mehr Vielstarterin Hannah Stöhr. Die 16jährige sprintete über die 100m 13,70sec und kam damit im Finale auf Platz vier. Im 100m Hürdenfinale blieb sie an der fünften Hürde hängen und musste eine Bambergerin vorbeiziehen lassen. Mit 17.14sec reichte es aber zur Silbermedaille. Im Speerwurf konnte sie zu guter Letzt mit Bestleistung von 19,81m sogar noch Dritte werden. Den Sieg holte sich hier keine geringere als Cosima Gundermann mit 35,53m.

Die zuvor gestarteten Jungs hatten hier mehr Glück und durften im Sonnenschein starten. Über die 80m Hürden sprintete Jonas Saffer (M14) in der fulminanten Zeit von 11.99sec zu einer neuen Bestzeit und siegte problemlos. Im 100m Sprint überzeugte er ebenfalls in ausgezeichneten 12,16 sec und verbesserte seine Bestmarke damit um fast drei Zehntel. Im Finale der 100m passierte ihm, nachdem er 50m souverän führte, das Unglück eines Muskelfaserrisses im Oberschenkel und der Tag endete diesmal für ihn in der Notaufnahme. Damit ist seine Wettkampfsaison vorerst beendet, denn er muss jetzt die nächsten sechs Wochen pausieren, damit verpasst er leider auch die Landesmeisterschaften.

Sein Trainingskollege Richard Kariun konnte sich hier aber ebenfalls in den 100m Endlauf sprinten und wurde hier mit neuer Bestzeit von 13,24sec Sechster. Noch besser lief es für ihn im Weitsprung, bei dem er mit neuer Bestmarke von 5,11m den vierten Platz erreichte, Den krönenden Abschluss des Tages erreichte er im Speerwurf mit 27,55m mit dem er Vizemeister wurde.  Auch bei den 16jährigen konnte sich Clemens Gundermann mit 34,09m einen guten dritten Platz im Speerwurf sichern.

Annabelle Treuheit (W15) hatte im Weitsprung, angesichts des Wetters, mit 4,45m einen feinen Wettkampf abgeliefert und wurde dafür mit Platz drei belohnt.  Mit neuer Bestmarke von 19,25m im Diskuswurf wurde auch Nina Lodes erstmals Dritte bei einer Bezirksmeisterschaft. Schade war, dass sie beim Einwerfen einen 10m weiteren Wurf hatte, sie aber im zweiten Wurf im nassen Ring ausrutschte und fiel und sich bei der Nässe nicht mehr schnell zu werfen traute.

Die 800m waren zum Ende der Veranstaltung zum taktischen Rennen geworden. Ronja Gellenthien versuchte durch eine Tempoverschleppung jemand anderen die Führung zu überlassen, der Plan ging aber nicht auf, denn keine andere junge Dame wollte die Spitze übernehmen, so plätscherte das Rennen fast 600m vor sich hin, bis sich die Mädchen zu einem Endspurt von 200m hinreißen ließen. Hier zog Ronja leider den Kürzeren und wurde mit 2:50,04min immerhin Dritte. Nach diesem Rennen verließen jedoch alle fluchtartig das Wettkampfgelände, denn ein Gewittersturm mit Blitz und Donner und Starkregen verwandelte die Bahn in einen Pool und den Rasen in einen Sumpf. So musste die Veranstaltung komplett unterbrochen werden. Leittragende waren hier die Damen, die sich schon für ihren 400m und 300m Lauf vorbereitet bzw. schon aufgewärmt hatten. Nach 30minütiger Unterbrechung war hier die Luft raus und so verzichteten Lina Ende und Annabell Treuheit auf den Wettkampf und fuhren unverrichteter Dinge nach Hause, denn Qualifikationen waren unter diesen Umständen auch nicht mehr zu schaffen.

Verfasser: Marianne Malzer-Ende